Bericht FD WM Neuseeland 2019
Geschrieben von: Rolf   

Weltmeisterschaft 2019 der Flying Dutchman-Klasse in Nelson, Neuseeland


Zusammen mit 6 weiteren deutschen Booten fiel im Sommer 2018 die Entscheidung, wir-
GER 213, Axel Priegann aus Kiel und ich, der Vogtländer Rolf Abert, - fliegen da hin, wir
fahren einmal um die Welt. Weiter geht ja schließlich nicht.
Wollen dort, JWD, absolut Down Under, segeln. Wollen uns messen mit den mehrheitlich zu
erwartenden Aussies und Kiwis.
Am Ende standen 41 Boote in der Meldeliste, aus 3 Kontinenten und zehn Ländern. Ein in
Anbetracht der eher europäischen Verbreitung der FD- Klasse herausragendes
Meldeergebniss, auch von der Klasse und Qualität her gesehen. Fast alle "Guten" waren da.
Die Schiffe wurden bereits am 22. 10 . in Springe bei Hannover in den Container verpackt
und auf die Reise gen Rotterdam geschickt, wo die Container aus Budapest und Holland
hinzukamen. Weiter ging es an Bord der MSC Noa via Suezkanal und Mauritius nach Sydney
in Australien. Von dort weiter gen NZL, Ankunft schließlich am 08.02. 2019 im Hafen von
Nelson.
Die einzelnen Besatzungen planten teils vorherigen Urlaub wie wir(ein unglaubliches Land !),
teils anschließenden Urlaub, teils auch "nur" segeln.
Am 11. Februar begann alles mit dem ersten Wettfahrttag der Neuseeländischen
Meisterschaft, der Vorregatta sozusagen. Bei Sonnenschein, türkisem Wasser, 23, 24 Grad,
herrlichen Windverhältnissen , meist um die 3 - 4, auch nachmittags 5 Bft, wurden 6 Rennen
absolviert, wobei wir mit genialem Speed, sehr viel Höhe am Wind und guten Manövern und
Starts absolut in der Spitze mithalten konnten und diese Leistung mit einem Tagessieg im 5.
Rennen krönen konnten. Highlight war jeweils das "nach Hause- segeln", das sog.
Hafenrennen. Bei regelmässigen 5 Bft, inzwischen großer Pazifikwelle ging es ca. 6 oder 7
km vom Rennkurs zurück mit halbem Wind zum Nelson Yachtclub... der linke, der
Schotarm, war angekommen gefühlt 3 cm länger...
Soweit zum Positiven für GER 213.


Das erste WM- Rennen nach 3 Tagen Vermessung dann am Samstag brachte uns nach einer
sicher knappen, aber erfolgreich absolvierten Wende auf Steuerbordbug hinter (!) das Heck
von NED 33 nach einem Juryprotest einen unglaublichen DNE, also eine Disqualifikation
nicht streichbar ! Etwas, was vor Ort und auch hier Zuhause wie weltweit in den
Segelcommunitys große Wellen schlug. Ein DNE für eine relativ normale, alltägliche
Rennsituation. Angebliche Verletzung von world sailing racing rules RR 2 - faires Segeln.
Verstehen konnte das niemand, nicht nur wir...
Nach einem "request of re-openig" - es lag inzwischen ein Video von Vorfall vor- ging die
Jury zwar in Klausur, rückte aber nicht vom Entscheid ab.
Uns warf das völlig aus der Bahn, der Zahn war sozusagen gezogen.. . Zwei Frühstarts
folgten, anschließend ein am Startschiff selbst eingehandeltes und verschuldetes Loch im
Vorschiff. Wir konnten diese Wettfahrt nicht beenden nach hervorragendem Platz um 5 am
Luvfass- wir liefen in der Welle langsam, aber sicher voll.
Nach Hause segeln war unsere falsche Entscheidung... ungefähr nach 3 km, auf halbem Weg
zum Land, weit weg von allen Sicherungsbooten, ging uns im Wortsinne die "Luft aus".
Das Vorschiff schwamm Oberkante Unterlippe, die Besatzung konnte, hinten auf dem Heck
sitzend, die Ruderanlage zwischen beiden, das Schiff ohne Segel mit Ach und Krach
ausbalancieren in den Wellen von 1,5 m Höhe.
Lange Rede- kurzer Sinn : Irgendwann wurden wir von einem in ca. 1,5 km entfernt
vorbeisegelnden Fahrtensegler gesehen, auf den Haken genommen und nach Hause
geschleppt.
Es war sehr knapp. Luftanks in Jollen, auch unbeschädigte, halten nicht wirklich dicht, wenn
Wassserdruck ansteht durch eine unter Wasser stehende Plicht.
Der Schaden an sich ist sehr überschaubar, zwei eher kleine Löcher durch einen hinten am
Startschiff befindlichen Metallzinken. Leicht reperabel und vor Ort einfach abgetapt und
fertig.
Nun, inzwischen war nicht nur die Schlacht (der DNE), sondern der gesamte Krieg ( UFD;
DNC) verloren, konnten wir uns als Touristen sozusagen frei fühlen und frei und unbeschwert
segeln.
Was wir taten. In der abschließenden 9. Wettfahrt zeigten wir dieses und unser wahres
Können und Potenzial mit einem 5. Platz, welcher von Anfang bis Ende in der versammelten
Weltspitze ersegelt und behauptet wurde.
Im Endergebniss findet man uns somit auf Platz 24 nach einem hervorragendem 4. in der
Vorregatta.
Ende gut, wenn auch nicht alles gut. Zusammen mit der NZL-Meisterschaft, der dort
gezeigten Leistung und den vielen gesammelten Eindrücken ein großartiges Erlebnis mit einer
alles in allem guten und zufrieden stellenden Performance.
Nach insgesamt 4 Wochen ging es für uns direkt nach Siegerehrung und
Abschlußveranstaltung am Freitag, 22. 02., via Sydney und Singapur zurück nach Hause.


Rolf Albert